Langzeitautos

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MH
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Langzeitautos

#1

Beitrag von MH » 24. Jan 2026, 09:44

Stefan Kühner bringt es auf den Punkt:

Ich fahre fast nur Autos aus den 90ern.
Nicht aus Trotz. Nicht aus Nostalgie.
Sondern weil ich keine Lust habe, mich von meinem Auto erziehen zu lassen.
Damals war Technik dazu da, Probleme zu lösen.
Heute ist Technik selbst das Problem – nur besser verpackt.

Ein Auto war früher kaputt, weil ein Teil verschlissen war.
Ein Lager, ein Schlauch, ein Schalter.
Heute ist ein Auto kaputt, weil irgendwo ein Sensor beschlossen hat, dass ein anderer Sensor ihm widerspricht.
Und wenn sich zwei Steuergeräte streiten, steht am Ende immer das Auto.

Standlicht kaputt – bestes Beispiel.
Früher: Birnchen mit zwei Beinchen für fünf Euro.
Motorhaube auf, Fassung drehen, Birne rein, fertig.
Zeitaufwand: fünf Minuten, davon vier fürs Händeabwischen.
-
Heute: kompletter LED-Scheinwerfer neu.
Mit Steuergerät, Codierung, Kalibrierung, Grundeinstellung und der Empfehlung, gleich beide Seiten zu tauschen, „wegen der Optik“.
Das Licht ist danach perfekt –
der Preis irgendwo zwischen Monatsmiete und Wertverlust.

Und bevor man überhaupt an irgendwas rankommt,
muss man erst einmal das halbe Auto zerlegen.
Abdeckungen, Verkleidungen, Luftführungen, Crashstrukturen, Designteile.
Nicht, weil sie technisch nötig wären –
sondern weil der Motorraum heute eher ein Puzzle ist als ein Arbeitsbereich.

In den 90ern hast du die Haube aufgemacht und den Motor gesehen.
Heute siehst du Plastik.
Noch mehr Plastik, Kabel, Schläuche, undefinierbares…
Und irgendwo darunter einen Motor,
der offensichtlich gar nicht mehr möchte, dass man ihn kennt oder versteht.
Alles ist verklebt, vergossen, verschweißt.
Nicht, weil es dann länger hält,
sondern weil es niemand mehr öffnen soll.
Keine Schrauben, keine Kontakte, keine Angriffsfläche.
Reparatur ist nicht vorgesehen. Austausch ist der Plan.

Und selbst die gute alte Bleibatterie ist heute keine einfache Bleibatterie mehr.
Früher: Batterie rein, Pol fest, fertig.
Heute: Batterie anlernen.
Dem Auto mitteilen, dass es jetzt eine neue Batterie ist.
Am besten mit Diagnosegerät, Login-Code und ruhiger Hand.
Die Batterie kostet doppelt so viel –
und der Austausch gleich nochmal, weil ohne Anlernen Start-Stopp beleidigt ist.

Der legendäre Dieselmotor, früher gebaut für Laufleistungen, bei denen der Rest des Autos längst aufgegeben hat,
wurde so lange „optimiert“,
bis er nur noch mit Additiven, Filtern, Sensoren, Regenerationsfahrten und viel Geduld funktioniert.
Verbrauch kaum besser, Auto deutlich schwerer, Technik unendlich komplizierter.
Sauberer im Prüfstand –
aber im echten Leben ständig kurz davor, sich selbst abzuschalten, weil irgendein Wert 0,3 % daneben liegt.

Und wenn dann wirklich etwas kaputtgeht, wird’s richtig absurd. 🧐
Ein Sensor für ein paar Euro meldet einen Fehler.
Der Fehler legt ein Steuergerät lahm.
Das Steuergerät hängt an fünf weiteren Systemen.
Am Ende sagt die Werkstatt:
„Fährt zwar noch, aber lohnt sich eigentlich nicht mehr.“
Ein modernes Auto verliert heute seinen Wert schneller als man früher den Beifahrer seine Kippen aus der Fresse schlagen konnte.

Autos aus den 90ern waren da anders.
Da hatte man Rost endlich halbwegs im Griff.
Man hatte Technik, die man den Kunden klar verständlich erklären konnte, ohne ein Tablet in der Hand zu halten und nach den richtigen Worten zu ringen die er auch versteht. Versteht wofür er jetzt Unmengen von Geld in die Hand nehmen muss.
Damals stand in der Betriebsanleitung im Handschuhfach wie man das Ventilspiel einstellt, heute schreiben sie rein, dass man den Inhalt der Batterie nicht trinken sollte….. wenn es denn überhaupt noch eine Anleitung gibt zum anfassen und nicht als App auf dem Schmartfon.. hast du da noch Worte?
Zuverlässigkeit war ein Verkaufsargument.
Hersteller wollten Preise dafür gewinnen – nicht Abo-Modelle einführen.
Assistenzsysteme gab es bereits, aber sie waren Helfer, keine Aufpasser.
Automatisches Fernlicht? Abstandstempomat? Kurvenlicht? Selbst abblendende Rückspiegel?… alles super moderne Sachen ? Weit gefehlt. Das gab es alles schon in den 70ern. Z.b. vieles davon beim Lincoln Continental.
Nur ist man davon wieder nahezu abgewichen. Warum? Verursacht zu viele Kosten, schädigt den Ruf….. Autofahrer sind doch keine Idioten, die haben Hände und Verstand.
Heute ist das egal, was lange hält, bringt kein Geld. 🤷🏼‍♂️

Damals waren das Autos, die wollten lange leben.
Nicht alle vier Jahre ersetzt werden.
Nicht wegen eines kaputten Standlichts oder einer „nicht angelernten“ Batterie entsorgt werden.
Nicht abhängig von Softwareständen, Servern oder Freischaltungen.

Man ist eingestiegen, hat den Schlüssel gedreht, der Motor lief.
Und wenn mal etwas nicht lief,
hat man es repariert.
Mit Werkzeug, Verstand und Einfallsreichtum –
so, wie wir es gelernt haben.

Vielleicht bin ich alt.
Vielleicht bin ich unmodern.
Oder vielleicht mag ich einfach Autos,
bei denen man den Motor noch sehen kann,
und ein fünf Euro teures Birnchen nicht über den Fahrzeugwert entscheidet.
Mein erstes Auto fährt wahrscheinlich heute noch.. hatte genau 75 PS. 🙂 das hat locker gereicht für 900Kg. 6,4l Verbrauch . Perfekt.

Egal. Genug gemeckert für heute, Ich muss jetzt erstmal mein Tamagotchi füttern und dann noch irgendwelchen überflüssigen Unfug reparieren.
Hätt ich bloß Abitur gemacht, ey, dann wär ich jetzt Rechtsverdreher in nen schicken Büro oder würde irgendjemands Strompreis optimieren…. 🙄

Grüße, TD 🙂

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Re: Langzeitautos

#2

Beitrag von Gagamohn » 24. Jan 2026, 09:54

Volle Zustimmung

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Re: Langzeitautos

#3

Beitrag von 2sheep » 24. Jan 2026, 10:04

:thankyouyellow:

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Re: Langzeitautos

#4

Beitrag von Liberolix » 25. Jan 2026, 10:19

MH hat geschrieben: 24. Jan 2026, 09:44 ..............
Auto kaputt, weil ..........Sensor ein[em] andere[n] Sensor ....widerspricht.
Und wenn sich zwei Steuergeräte streiten, .........
...................
:thumbup:
freut sich doch der dritte ?
:D
unser erster MGB den ich in den Fingern habe - hoher Verbrauch, aber fahren tut er sich erstaunlich spritzig wie unsere Triumphs (TR4a, Spiti Mk3, TR6 SU)und auch vorm Healey Mk3 braucht er sich nicht zu verstecken

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Re: Langzeitautos

#5

Beitrag von Axel Krug » 25. Jan 2026, 15:58

Ich erfreue mich täglich an vielen technischen Finessen aktueller Fahrzeuge. Klar gibt es auch immer mehr völlig übertriebene und vor allem nicht dauerhaft abschaltbare Funktionen aber die man aber dennoch gut in Kauf nehmen kann.
Man kann sich natürlich auch am Wählscheibentelefon und Faxgerät erfreuen 😄
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Re: Langzeitautos

#6

Beitrag von MBGT_ED » 25. Jan 2026, 20:06

Die neuen haben aber die volle Abhängigkeit vom Hersteller. Bei unserem Smart EQ (Elektro) Bj. 2021 wurde vor einem Jahr einfach der Server von Mercedes-Benz abgeschaltet. Somit ist keine Kommunikation mehr vom Handy zum Auto möglich. Gerade gelesen, Toyota hat über Nacht bei den Verbrennern die Vorklimatisierung stillgelegt, weil es deutsche Vorschriften so wollen. Zwei Bekannte, einer bei der Feuerwehr berichtete von zwei verschiedenen BYDs die in der Nacht parkender weise mal ohne Grund vor der Haustüre den e-cal Alarm gesendet haben. Da kamen dann Feuerwehr und Polizei. Wer den Fehlalarm bezahlt ist noch offen. Das eine war ein ganz neues Auto.

Braucht man das wirklich? Ich fahre auch meine B-Klasse Bj. solange es geht. Ich benötige keinen fahrenden, vorlauten Computer.
Viele Grüße Klaus

MH
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Re: Langzeitautos

#7

Beitrag von MH » 25. Jan 2026, 22:40

Axel Krug hat geschrieben: 25. Jan 2026, 15:58 Ich erfreue mich täglich an vielen technischen Finessen aktueller Fahrzeuge. Klar gibt es auch immer mehr völlig übertriebene und vor allem nicht dauerhaft abschaltbare Funktionen aber die man aber dennoch gut in Kauf nehmen kann.
Man kann sich natürlich auch am Wählscheibentelefon und Faxgerät erfreuen 😄
Axel, eigentlich habe ich mit dem Kutschen-Hinweis gerechnet.

Wenn Du Dich Herstellern ausliefern möchtest, gerne, ist ja auch Deine Sache. Ich nehme das Heft gern selbst in die Hand….

Grüße Manfred

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Re: Langzeitautos

#8

Beitrag von Axel Krug » 26. Jan 2026, 07:54

Manfred.... wenn du dich keinem "ausliefern" möchtest solltest du auch und vor allem Mobiltelefon und Internet meiden.
MGDC #581

MH
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Re: Langzeitautos

#9

Beitrag von MH » 26. Jan 2026, 08:01

Moin Axel, müssen ja nicht alle den Eingangspost verstehen.

Guten Start in die Woche!

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Re: Langzeitautos

#10

Beitrag von Noddy » 26. Jan 2026, 08:40

Hallo :)

Welche technischen Finessen entgehen mir eigentlich wenn ich mit meinen Autos im letzten Jahrhundert bleibe?

Grüße
Micha
#2303

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Re: Langzeitautos

#11

Beitrag von 2sheep » 26. Jan 2026, 08:48

Moin Micha,

Je nach Einsatzzweck fallen mir drei für mich wirklich relevante Innovationen der letzten vierzig Jahre ein:
- ABS
- Airbag
- Klimaanlage (bin etwas Temperaturempfindsam geworden und fahre eigentlich gerne in den Süden)

Auf den Rest kann ich gut verzichten.
Diese drei Merkmale gibt’s auch ohne mit dem Auto Online sein zu müssen, seit Jahrzehnten.

viele Grüße
Matthias

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Re: Langzeitautos

#12

Beitrag von Axel Krug » 26. Jan 2026, 09:52

Die bei vollelektrischen Autos serienmäßige Standheizung bei den aktuellen Witterungsbedingungen aus der Ferne aktivieren und in ein abgetautes warmes Auto einsteigen hat schon was
MGDC #581

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Re: Langzeitautos

#13

Beitrag von Noddy » 26. Jan 2026, 11:22

Ok, Elektriker sind ein anderes Thema, alles andere gibt es auch in älteren Autos.
#2303

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